Es gibt Abende, die mehr sind als eine Vernissage – sie wirken wie ein fein komponiertes Zusammenspiel aus Raum, Klang und Begegnung. In den eleganten Salons von Steinway & Sons am Münchner Maximiliansplatz wurde genau dieses Gefühl spürbar, als die Künstlerin Djamila Fierek ihre neue Serie „Klanglandschaften“ erstmals präsentierte. Ein kuratierter Kreis aus Sammlerinnen und Sammlern, Persönlichkeiten aus Kultur und Wirtschaft sowie langjährigen Wegbegleitern kam zusammen, um eine Werkgruppe zu erleben, die sich bewusst zwischen den Disziplinen bewegt – irgendwo zwischen Malerei und Musik, zwischen Intuition und Struktur, entwickelt zwischen München und Scottsdale, Arizona.
Mit „Klanglandschaften“ markiert Fierek eine neue Phase ihres künstlerischen Schaffens. Nach Jahren figurativer und thematisch gebundener Arbeiten wendet sie sich erstmals konsequent einer abstrakten Bildsprache zu – ein klarer Schritt, der den Blick weg vom Motiv und hin zur Wirkung lenkt. Ausgangspunkt ist die Frage, wie sich Klang visuell erfahrbar machen lässt. Inspiriert von Frequenzsystemen, denen eine besondere energetische Qualität zugeschrieben wird, entstehen Arbeiten, die weniger erzählen als vielmehr spürbar werden.






Die insgesamt 27 Werke, überwiegend großformatige Acrylgemälde, sind geprägt von dichten Farbschichtungen, rhythmischen Linien und einer Dynamik, die an musikalische Kompositionen erinnert. Flächen scheinen zu pulsieren, Kontraste setzen Akzente wie Taktwechsel, während sich in fein abgestimmten Nuancen eine visuelle Dramaturgie entwickelt, die sich erst im zweiten Blick erschließt. Es sind Bilder, die nicht erklären wollen, sondern eine Wahrnehmung öffnen – wie eine Partitur, die nicht gehört, sondern gesehen wird.
Dass diese Arbeiten ausgerechnet in den Räumen von Steinway & Sons gezeigt wurden, verstärkte die inhaltliche Verbindung auf beinahe selbstverständliche Weise. Der Ort, international Synonym für höchste Klangkultur, wurde an diesem Abend zur Bühne eines stillen Dialogs zwischen zwei Ausdrucksformen. Im Zentrum: ein roter Steinway-Konzertflügel D-274, der mit einem Motiv aus Fiereks Serie inszeniert war und selbst Teil der künstlerischen Erzählung zu werden schien.
Der Münchner Pianist Pablo Struff griff diesen Gedanken auf und übersetzte ihn in ein musikalisches Setting, das die Atmosphäre des Abends subtil prägte. Seine Interpretation war keine klassische Begleitung, sondern eine zusätzliche Ebene, die die Wahrnehmung der Arbeiten verschob, vertiefte, neu justierte. Für einen Moment entstand der Eindruck, als würden sich Bild und Klang gegenseitig kommentieren – leise, präzise und ohne jede Inszenierungsgeste.






Neben der künstlerischen Arbeit stand der persönliche Austausch im Mittelpunkt. In entspannter, fast zurückhaltender Atmosphäre ergaben sich Gespräche über Prozesse, Inspirationen und die Entwicklung einer Künstlerin, die sich nach Jahrzehnten bewusst neu positioniert. Der Abend, organisiert von Andrea Strigl, brachte dabei einen ausgewählten Kreis aus Kunst, Medien und Unternehmertum zusammen – darunter Wolfgang Fierek, Uta Mendil, Alexandra und Marcus Asam mit Mirjam Asam, Willy Umland, Johannes Fritz, Maximilian Heiden, Fritz Egner, Willy Astor, Michael Braun, Curt Cress, Yaris Makkay, Christof Arnold, Markus Böker, Michel Guillaume, Mario M. Mendrzycki, Gaby Hauptmann sowie Sabrina Jolk.
Kulinarisch begleitet wurde der Abend von der Burger & Lobster Bank, deren reduzierte, präzise Handschrift den Rahmen ergänzte, ohne ihn zu dominieren. Zum Ausklang erhielten die Gäste ein sorgfältig kuratiertes Give-away von asambeauty – eine kleine Geste, die den Abend abrundete, ohne ihm eine werbliche Note zu verleihen.
Djamila Fierek, 1966 in Wiesbaden geboren, lebt und arbeitet seit vielen Jahren zwischen München und Scottsdale. Über mehr als drei Jahrzehnte hinweg hat sie unterschiedliche künstlerische Phasen durchlaufen, Techniken erprobt und ihre Bildsprache stetig weiterentwickelt. Mit „Klanglandschaften“ erweitert sie ihr Spektrum nun um eine abstrakte, sinnlich aufgeladene Formensprache, die sich jeder eindeutigen Lesart entzieht und gerade darin ihre Stärke findet. Die Ausstellung ist noch bis Ende März bei Steinway & Sons in München zu sehen – als leiser, aber eindringlicher Hinweis darauf, dass Kunst manchmal genau dort am stärksten wirkt, wo sie nicht erklärt werden muss, sondern einfach Raum bekommt.
Fotos © Christof Arnold & Felix Hörhager

